Lagebeurteilung

Seit nunmehr einem halben Jahr beschäftigt uns diese Corona Epidemie. Dennoch kommt es uns vor, als würden wir jeden Tag «angeblich» Neues erfahren. Wir haben uns die Zeit genommen, hier eine kurze Lagebeurteilung festzuhalten.

Die oberste Priorität ist es, Menschenleben zu schützen, um die Sterberate tief zu halten. Nun die letzten Fakten haben uns gezeigt, dass man sich mehrmals mit dem Coronavirus infizieren kann. Das stellt dann auch die Wirksamkeit einer Impfung irgendwie in Frage. Für uns bedeutet dies, dass wir mit dem Corona Virus oder einer Form davon leben müssen. Wenn wir konsequent sein möchten, dann müssten wir die eingeführten Massnahmen bis ans Ende unserer Tage weiterführen, denn das Virus lässt sich nicht «auslöschen». Dies haben die restriktiven Massnahmen anderer Länder gezeigt, z.B. Neuseeland, wo das Virus erneut ausgebrochen ist. Stellen Sie sich vor, es benötigt nur einen Touristen, welcher das Virus in sich trägt und schon beginnt das Ganze von vorne. Oder will man die Einreise bis auf unbestimmte Zeit verbieten? Somit ist die Zeitachse der Massnahmen unendlich und man sollte sich dringend Hinterfragen ob man dies so aushalten kann.

Gestatten Sie uns einen kleinen Exkurs in die Barockliteratur, welche geprägt ist von drei Leitmotiven:
Memento mori: Bedenke das du sterben musst
Carpe diem: Nutze/Geniesse den Tag
Vanitas: Vergänglichkeit
Wenn wir in diesen Tagen die Medien konsultieren, dann beschleicht uns das Gefühl, dass dieses Gleichgewicht aus der Balance ist. Memento mori ist stark übervertreten und lässt viele aus Angst erstarren. Diese Angststarre führt dazu, dass carpe diem im Nichts versickert. Vanitas, ist in der Zeit von Instagram und des Körperkults sowieso inexistent. Vielleicht ist es auch darum, dass wir nicht mehr mit unserer Vergänglichkeit umgehen können. Denn genau diese zeigt uns die Pandemie kompromisslos auf, unsere Vergänglichkeit.

Zurück zum Thema: Während dem letzten halben Jahr haben wir gesehen, dass die Jahreszeiten keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die Pandemie haben.
Einen Impfstoff erwarten wir nicht vor Ende 2021 und wie lange und ob dieser dann wirksam ist (va. bei Personen über 50 Jahren), weiss heute noch niemand. Wer einmal in einer pharmazeutischen Firma gearbeitet hat, weiss, dass die Qualifizierung und Validierung eines Herstellungsprozesses länger als ein halbes oder ganzes Jahr dauern. Daher sind Traumtänzer mit Versprechungen von Impfstoffen innerhalb eines halben Jahres oder Jahres keiner Aufmerksamkeit würdig.
Ist die Lage wirklich so aussichtslos? Wir denken nicht, denn Schweden hat aufgezeigt, dass man mit dem Virus leben und langsam zur Normalität zurückfinden kann. Die einzige Selbstkritik von Anders Tegnell war, dass er nicht erreicht habe, die Risikogruppen besser zu schützen. Wenn wir die rekordverdächtigen tiefen Todesraten dieser Tage betrachten und in Betracht ziehen, dass die Infektionen dabei ansteigen, dürfen wir dann nicht sagen, dass Länder wie z.B. die Schweiz, Deutschland, Spanien und Österreich mittlerweile genau dieses Ziel mit dem richtigen Mix an Massnahmen erreicht haben? Die Infektionen nehmen in den Nicht-Risikogruppen zu, wobei die Risikogruppen geschützt sind. Es sieht so aus, als hatte Schweden ein Ende mit Schrecken, während wir mit immer mehr Massnahmen unter Umständen ein Schrecken ohne Ende zu erwarten haben.

Mit dem Virus leben, bedeutet mit der Vergänglichkeit zu leben.

Bewerte diesen Beitrag:
[Total: 1 Durchschnitt: 5]

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.