Wenn dasselbe und das Gleiche nicht dasselbe ist

Die Wogen gehen hoch, sobald das Wort . . . . Herdenimmunität auch nur sanft gehaucht wird.

Das Problem liegt dabei nicht an der Sache selbst, jedoch glauben wir zu verstehen, dass es sich um ein klassisches Missverständnis handelt. Dieser kurze Beitrag soll helfen eine Brücke zu schaffen, um über die Wogen aufeinander zu zugehen.

Um nicht noch weitere Missverständnisse zu schaffen, bedienen wir uns einem kleinen Rollenspiel. Dabei verwenden zwei Gruppen, A und B, für den gleichen Begriff, jedoch verstehen beide Gruppen etwas anderes unter dem Wort: «Herdenimmunität«.
Gruppe A verwendet Herdenimmunität im eigentlichen Sinne, um damit zu beschreiben, dass die Bevölkerung immun ist und sich nicht erneut mit dem Virus infizieren kann. Gruppe B verwendet den Begriff Herdenimmunität um zu beschreiben, dass, obwohl das Virus weitere Personen infiziert, sich die Todesraten nicht mehr merklich erhöhen werden.
Über Begrifflichkeiten lässt sich streiten, jedoch wollen wir hier die Wogen glätten. Wissenschaftliche Studien haben klar aufgezeigt, dass eine solche Immunität für Corona Viren nicht existent ist. Es wurde gezeigt, dass man sich in einem Abstand von durchschnittlich 12 Monaten mit denselben Coronaviren infizieren kann (s. unten).

Die farbigen Kreise beschreiben wiederholte Infektionen des gleichen Virus von 10 Individuen. Weisse Kreise beschreiben wiederholte Infektionen ohne merklichen Rückgang der Anzahl von spezifischen Antikörpern. Schwarze vertikale Linien beschreiben den Median der Zeit zwischen Infektionen. Quelle: Nature Medicine.

In der Abbildung oben erkennen Sie links die verschiedenen Coronavirus Stämme und unten eine Zeitachse in Monaten. Die Punkte zeigen auf, wann Personen erneut durch dasselbe Virus infiziert wurden. Dabei haben die Wissenschaftler berechnet, dass es durchschnittlich 12 Monate dauert, bis sich die Personen erneut infizieren. Was dies für die Wirksamkeit der Impfstoffe bedeutet, wird die Zukunft weisen.
Im Falle von SARS-CoV-2 sehen wir, dass nur sechs Monate zwischen den Infektionswellen liegen. Dies lässt sich unter anderem damit erklären, dass SARS-CoV-2 höchstwahrscheinlich ansteckender ist, als die anderen Coronavirus Varianten. Dies erklärt wiederum den steilen Anstieg der Todesfälle zu Beginn des Jahres während der ersten sowie der zweiten Welle.

Daraus schliessen wir, dass es eine Herdenimmunität gemäss der Definition und der Gruppe A nie geben wird, da sich Menschen immer wieder mit dem Virus anstecken können und werden. Eine Herdenimmunität gemäss Gruppe B, dass also bei jeder erneuten Infektionswelle weniger Menschen sterben, wird sich irgendwann bewahrheiten. Betrachten Sie dazu den Beitrag über Schweden. Wenn man weniger nach Coronaviren sucht, wird man in der Zukunft den Unterschied zwischen normalen Grippewellen und Corona Infektionen nicht mehr unterscheiden können.

Somit gilt, wer mit Herdenimmunität konfrontiert wird oder konfrontieren möchte, der solle doch im eigenen Interesse sicherstellen, dass alle Beteiligten nicht nur das gleiche Wort verwenden, sondern auch dasselbe verstehen. Damit gilt, dass dasselbe und das Gleiche dasselbe ist.

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