Schweden ist mit Vorsicht zu geniessen

Wiederholt haben wir uns Schweden angenommen, nicht nur aufgrund der weitsichtigen Pandemie Strategie, welche jetzt auch in anderen Ländern Anklang findet, sondern weil Schweden uns das fehlende Puzzleteil zum Ausmass dieser Pandemie geliefert hat. Falls Sie eine neue Geniesserin unserer Gedanken sind, dann empfehlen wir Ihnen die zwei Beiträge aus der Vergangenheit: Was bisher geschah und Was bisher geschah Teil 2. Darin finden Sie eine tour d’Horizon über das Geschehene im Fall Corona, analysiert aus unserer Sicht.

Nun wer Zahlen vergleicht, muss auch wissen, was man vergleicht. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, dass ein Ländervergleich höchst komplex und nur mit grösster Vorsicht zu geniessen ist. Nicht nur der Vergleich zwischen Ländern, nein auch der Vergleich zwischen den Jahren muss wohl überlegt sein. Es gibt Jahre, während denen eine schwere Grippewelle wütete, es gab aber auch Jahre in welchen eine Untersterblichkeit vorherrschte. Wir haben dies im Beitrag Mortalitätsrate In extremis für Sie abgehandelt. Wer sich nun gründlich informiert hat, kann sich auf eine weitere hemdsärmelige Schweden-Analyse unsererseits gefasst machen.

Wir haben bereits mehrmals darauf hingewiesen, dass Schweden im Jahre 2019 eine statistisch signifikante Untersterblichkeit ausgewiesen hat. Dies hat natürlich zur Folge, dass mehr immungeschwächte Personen leben und die Überalterung der Gesellschaft zunimmt. Wenn nun eine schwere Infektionskrankheit wie Covid-19 das Land heimsucht, dann sterben überproportional viele Menschen. (Entsprechender Artikel dazu). Wir machen dazu einen kurzen Vergleich (s. unten)

Absolute Todesfälle in Schweden bis und mit KW42

Die Abbildung oben zeigt die absoluten Todesfälle der letzten fünf Jahre in Schweden. Wie Sie unschwer erkennen können, sind die Todesfälle im Jahre 2019 tiefer als in anderen Jahren. Zudem erkennen Sie auch, dass die Todesfälle im Jahr 2015 etwa gleich hoch sind, wie im Jahre 2018. Daher würden wir erwarten, dass aufgrund der ähnlichen Sterbeziffern die Folgejahre eine ähnliche Sterblichkeit aufweisen würden (s. unten). Die Abbildung unten, zeigt diese Überlegung mit einer roten Linie, vergleichen Sie hierbei das Jahr 2015 mit 2018 und das Jahr 2016 mit 2019. Sie erkennen unschwer, dass die Sterblichkeit der Jahre 2015 und 2018 etwa gleich gross ist. Die Sterblichkeit des Jahres 2019 ist jedoch um 1836 Fälle tiefer als im Jahre 2016 (grüner Balken).

Wenn wir nun dieses Defizit von 1836 Personen von den Gesamttodesfällen im Jahr 2020 der KW42 subtrahieren, erhalten wir ungefähr 73’000 Todesfälle. Dies ist immer noch höher als in den vergangenen fünf Jahren, jedoch nicht mehr so dramatisch. Sie sehen also, dass die statistisch signifikante Untersterblichkeit im Jahre 2019 zu einem gewissen Grade, die Übersterblichkeit im Jahre 2020 erklärt. Selbstverständlich ist der Auslöser dieser Übersterblichkeit nach wie vor das SARS-CoV-2 und die Zahlen dürfen nicht so einfach nach Adam Riese addiert oder subtrahiert werden.
Seien Sie sich bewusst, dass dies keine wissenschaftlich fundierte Analyse ist. Es könnte jedoch sein, dass die absoluten Todesfälle im Jahre 2020 aufgrund der Untersterblichkeit im Jahre 2019 etwas höher ausfallen. Zudem zeigt es auf, dass die Todesfälle nicht ohne eine sorgfältige Analyse wild miteinander verglichen werden können, nicht zwischen Ländern und nicht zwischen einzelnen Jahren.

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